Marmelade, Konfitüre, Gelee – was ist der Unterschied?

Erdbeermarmelade oder Erdbeerkonfitüre? Wann heißt es Gelee, wann Aufstrich und wann Grütze? Oder ist alles das Gleiche? Hier findet ihr eine kleine Übersicht, wann man welches Wort benutzt – und eine Erklärung, warum ich trotzdem meist von „Marmelade“ spreche.

Was ist Aufstrich?

Zu allererst widmen wir uns dem Begriff Aufstrich. Er gilt für alle streichfähigen Brotbeläge. Hierzu zählen nicht nur süße Aufstriche wie Marmeladen, Konfitüren, Gelees, Honig oder Nuss- und Schokoladencremes. Auch streichbare Wurst wie Leberwurst oder streichbarer Käse wie Frischkäse zählen ebenso zu den Aufstrichen wie zum Beispiel Pasten aus Kichererbsen (Hummus).

Was ist Marmelade?

Vor langer, langer Zeit, als das in vielen Küchen vorhandene Thermo-Gerät zur All-Inklusiv-Zubereitung von Speisen noch nicht erdacht war, nannte man einen Brotaufstrich aus pürrierten Früchten, die mit Zucker eingekocht wurden, Marmelade. Heute darf laut einem Erlass der Europäischen Union nur noch ein Aufstrich aus Zitrusfrüchten (Zitronen, Limetten, Orangen, Mandarinen usw….) diesen Namen tragen – dafür dürfen jetzt Fruchtstücke in der Marmelade sein.

Was ist Konfitüre?

Eine Konfitüre ist meist ein Aufstrich aus nur einer Obstsorte. Es muss also Erdbeerkonfitüre und nicht Erdbeermarmelade heißen. Aber ähnlich wie bei Marmelade ist auch bei Konfitüre durch die Europäischen Union streng geregelt, welche Bestandteile sie enthalten darf. Der Mindestfruchtanteil variiert je nach Frucht, als Zusätze sind unter anderem Gewürze, Kräuter, Nüsse uvm. gestattet.

Was ist Gelee?

Anders als bei Marmelade oder Konfitüre handelt es sich bei Gelee um einen Aufstrich aus einer Flüssigkeit. So wird Quittengelee zum Beispiel nicht aus dem Fruchtfleisch sondern aus dem vorher abgepressten oder ausgekochen Saft der Quitten hergestellt. Zusammen mit Gelierzucker wird der Saft eingekocht. Als „einfaches Gelee“ gilt ein Aufstrich mit mindestens 35 Prozent Obstsaftanteil. Enthält das Gelee mehr als 45 Prozent, so ist es ein „Gelee extra“.

Was ist Chutney?

Ob Tomate, Mango, Ananas oder viele andere Sorten – das aus der indischen Küche stammende Chutney ist eine süß-pikante bis süß-scharfe Soße, die zu warmen Speisen ebenso gut schmeckt wie zu einem klassischen Käsebrot. Sowohl Gemüse wie Tomaten, Zwiebeln oder Zuccini wie auch Obst können als Grundlage dienen. Sie werden mit Gewürzen verfeinert und wie Marmelade bzw. Konfitüre eingekocht.

Was ist Grütze?

Zerstoßene Getreidekörner, die mit wenig Wasser oder Milch zu einem Brei verrührt werden, nannte man ursprünglich Grütze. Der bekannteste Vertreter ist das allseits beliebte Porridge. Auch für Fruchtgrütze wie zum Beispiel roter Grütze aus Kirschen wurden unsprünglich Getreidebreie als Grundlage genutzt, die mit gekochten Früchten aufgewertet wurden. Über die Jahrzehnte hat sich das Fruchtgrützerezept verfeinert, sodass heute der Fruchtanteil überwiegt. Damit die rote Grütze die richtige Konsistenz bekommt, bindet man sie – anders als bei Marmeladen, Konfitüren und Gelees – mit Speisestärke, Sago oder Agar (aus Alge) ab.

Warum ich Marmelade sage

Hände hoch, wer sagt Erdbeerkonfitüre? Ich nicht. Ich sage zu süßen Aufstrichen Marmelade. Weil ich das schon immer getan habe. Und weil sich gewisse Worte in unseren Wortschatz einwaschen. Umgangssprache eben. Ich sage auch (Achtung, Werbung!) Tempo zu jedem Papiertaschentuch, Zewa zur Küchenrolle und Tesa zu dem durchsichtigen Klebeband zum Geschenke einpacken. Egal, ob ich das Original vor mir habe. Im Fachjargon heißen diese Begriffe Deonyme. Das sind Worte, die von Namen abgeleitet werden und aus einem Markennamen einen Gattungsnamen machen. Ähnlich verhält es sich bei der marmelade – nur, dass dieser Begriff der traditionelle für den süßen Aufstrich ist. Und weil auch ich ein Gewohnheitsmensch bin, bleibt es dabei.